Yurdakul, Gökce
In Ozan Keskinkilic und Armin Langer (hg) Fremdgemacht und Reorientiert: jüdische muslimische Verflechtungen. Cilmaz-Günay Verlag.
Publication year: 2018

�Am 7. Mai 2012 wertete das Kölner Landgericht die Beschneidung als eine Form der Körperverletzung. Die Praktik ist integraler Bestandteil des jüdischen und muslimischen Lebens in Deutschland. Dennoch, das Grundrecht eines Kindes auf «körperliche Unversehrtheit» überbiete die religiösen Rechte der Eltern, so das Urteil. Die Entscheidung stellte muslimische und jüdische Eltern potentiell unter Verdacht, ihren Kindern körperlich zu schaden. Hitzige öffentliche Debatten und internationaler politischer Druck leisteten ihren Teil. In einem zügigen Rechtsverfahren wurde ein neues Gesetz verabschiedet, das das Urteil des Landgerichts ersetzt und die rituelle Beschneidung von Jungen grundsätzlich erlaubt. Dem neuen Beschneidungsgesetz zum Trotz bleibt die Beschneidung von minderjährigen Jungen weiterhin ein hoch umstrittener Sachverhalt. Am 7. Mai 2015 veranstalteten fünfunddreißig zivilgesellschaftliche Organisationen eine Kölner Kundgebung für «genitale Autonomie». Sie forderten ein Verbot der rituellen männlichen Beschneidung. Die Beschneidungspraktik steht damit im Schatten politischer und rechtlicher Kontroversen.

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